Die Hochofengruppe

Bauzeit:  1883 bis 1916,
danach wurde die Ausmauerung der Hochöfen mit Schamottsteinen alle 10 - 15 Jahre erneuert.
Betriebszeit: 103 Jahre bis zur Stillsetzung

Die Skyline der Völklinger Hütte mit Erzschrägaufzug und Gichtbühne: Hier geschah die eigentliche Verwandlung von Erz und Koks in Roheisen – dem Stoff, der die Grundlage für die Stahlerzeugung bildete. In den sechs Hochöfen herrschten Temperaturen bis zu 2.000 Grad. Dabei sind sie von außen gar nicht zu sehen: Die Hochöfen verstecken sich geradezu hinter den Winderhitzern und dem Gewirr von Rohren und Kaminen. Nur die dreieckigen Hosenrohre künden auf den ersten Blick von ihrer Existenz. Wagen Sie den Aufstieg auf die Gichtbühne und die Aussichtsplattform über den Hochöfen in 45 Meter Höhe: Die Aussicht ist atemberaubend!

 

Der Erzschrägaufzug

Die Rohstoffe wurden über ein einziges Gleissystem in die sechs Hochöfen geschüttet. Der elektrische Skip wurde zwischen 1911 und 1918 installiert. Die Gleisanlage erstreckte sich über fast 6 Kilometer. Sie ermöglichte es, die Hochöfen mit durchschnittlich 265 Hängebahnwagen zu beschicken. Ihr quietschendes Geräusch hallte Tag und Nacht durch Völklingen. Allerdings verhinderte diese Konstruktion eine Vergrößerung der Hochöfen. Der Schrägaufzug war für eine Höhe von genau 27 Metern ausgelegt. Die Produktion der Völklinger Hütte konnte mit dem Aufschwung der Metallindustrie nicht Schritt halten

An der Rückseite der Hochofenbatterie beförderte ein Schrägaufzug desselben Typs den in der Kokerei erzeugten Koks auf die Entladeebene, die sogenannte Gichtbühne

Video Erzschrägaufzug

Die Winderhitzer | Cowper

Die Winderheitzer Detailaufnahmen

Die Cowper der Völklinger Hütte erreichen eine Höhe von bis zu 40 Metern. Mit einem Durchmesser von teilweise fast 7 Metern sind sie neben den Hochöfen die imposantesten Bauwerke in der Hochofenabteilung des Werks. Die Ziegel im Inneren der Cowper wurden mit Gas erhitzt. Wenn diese heiß genug waren, wurde der kalte Wind aus den Gebläsen in die Cowper geblasen. Durch dieses Verfahren konnte der heiße Wind, der in die Hochöfen geblasen wurde, auf Temperaturen von fast 1200 °C gebracht werden. Auf dem Cowper 6.3, dem Heißwindgenerator für den Hochofen 6, ist die deutsche Aufschrift für "kalter Wind" noch deutlich lesbar.

Die Gichtbühne

Die Gichtbühne verbindet alle sechs Hochöfen mit einer Ebene. Auf dieser Ebene werden die Hängebahnwagen entlang geführt. Die Gichtbühne ist ca. 240 Meter lang und erstreckt sich in einer Höhe von exakt 27 Meter.  Die Gichtbühne hat Ihren Namen von dem Wort "Begichten", was das Befüllen der Hochöfen mit den Rohstoffen für die Eisenerzeugung bezeichntet. Eisenerz, Sinter, Zusatzstoffe, Koks, aber auch eisenhaltige Reststoffe aus der Industrie oder Schrott wurden in die Gicht, den Einfülltrichter des Hochofens, gekippt. Die „Haube“, der obere Verschluss des Hochofens, wurde angehoben, dann fünf Hängebahnwagen um den Trichter gefahren. Unterhalb der Haube befindet sich ein zweiter Verschluss, die „Glocke“. Sie blieb geschlossen, um das Gichtgas aufzufangen. Das Material wurde auf die Glocke gekippt, dann die Haube abgesenkt. Erst wenn die Haube geschlossen war, wurde die Glocke nach unten gefahren: Das Material rutschte in den Hochofenschacht.

Die Arbeit auf der Gichtbühne

Die Hochöfen

Die Hochöfen der Völklinger Hütte sind alle 27 Meter hoch und haben einen Außendurchmesser von knapp 10 Metern. Sie sind zwischen 1888 und 1916 entstanden. Allerdings sind sie mehrfach erneuert, umgebaut und erweitert worden.
Die sechs Hochöfen in ihrer bis heute erhaltenen Form datieren aus den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Hochöfen der Völklinger Hütte hatten ein Fassungsvermögen von mehr als 1000m3.

Die Hochöfen in Völklingen sind von einem 3 cm dicken Stahlblechmantel umgeben. Innen sind sie mit feuerfesten Steinen ausgemauert. Die Ausmauerung ist im oberen Teil der Hochöfen 60 cm dick, im unteren Teil, wo die Hitze größer ist, hatte die Ausmauerung eine Dicke von 1 m. 

Aber auch das mächtige Mauerwerk hat nicht ausgereicht, um die Gluthitze im Innern des Hochofens zu bändigen: Fortwährend rieselte Wasser an den Außenwänden herab, um den Mantel zu kühlen. 

Die Abstichebene

Alle zwei bis zweieinhalb Stunden sticht der Hochöfner den Hochofen ab. Im Stahlmantel sind zwei Abstichlöcher für Roheisen und Schlacke ausgespart. Die Löcher sind mit einer Tonschiefermasse ausgefüllt, die der Hochöfner aufbohren und auch wieder verschließen kann. Früher öffnete der Hochöfner mit pneumatischem Handbohrer und Sauerstofflanze das Abstichloch des Hochofens, später machte diese Arbeit eine ferngesteuerte
Bohrmaschine. 130 Tonnen flüssiges Roheisen floss durch die Abstichrinne in den Torpedowagen, der das Eisen zum Stahlwerk brachte. Mit einer Temperatur von über 1.400°C fließt das Roheisen aus dem Abstichloch. Hochgerechnet ergibt das für alle sechs Hochöfen eine Tagesleistung von ca. 6.000 Tonnen Roheisen. Heutige Hochöfen können bereits mehr als 10.000 Tonnen Roheisen in 24 Stunden erzeugen, also weit mehr als die sechs Völklinger Hochöfen zusammen.

Der Hochofenabstich