Die Geschichte der Völklinger Hütte

Die Geschichte der Völklinger Hütte ist eine Erfolgsgeschichte mit Höhen und Tiefen: den Erfolgsmeldungen, größter Eisenträgerproduzent Deutschlands, Inhaber der weltweit meisten Patente im Eisen- und Stahlbereich standen tiefe Einschnitte gegenüber: die Nähe Herrmann Röchlings zu Adolf Hitler und den Nationalsozialisten oder der Einsatz von Zwangsarbeitern in beiden Weltkriegen. Dem Aufschwung in den Wirtschaftswunderjahren folgte der Niedergang in der weltweiten Stahlkrise der 70 Jahre und das erneute Aufblühen der Völklinger Hütte durch die Aufnahme in die Welterbeliste der UNESCO. 

Chronologie

1873 1881 1882 - 1889 1890 1891 1897 1899 1900 1904 1907 1911 1913 1914 1917 / 1918 1928 1935 1937 1944 1945 1948 / 1949 1965 1975 1980 1986 1994 1999 - heute
Planausschnitt des Puddelwerks

1873 gründete der Hütteningenieur Julius Buch bei Völklingen an der Saar ein Puddel- und Walzwerk. Nach sechs Jahren musste er sein Werk schließen, da der Betrieb sich aufgrund billiger Importe britischen Roheisens und fehlender Einfuhrzölle nicht länger rentierte.

Die Erbauer des ersten Hochofens

Carl Röchling kauft das stillgelegte Stahlwerk in Völklingen. Er setzt auf die Produktion von Roheisen: 1883 wird der erste Hochofen angeblasen.

Kommune III

Zwischen 1882 und 1889 errichten die Röchlingschen Eisen- und Stahlwerke vier Siedlungen, die sogenannten Kolonien, mit Werkswohnungen, um der wachsenden Nachfrage nach Wohnraum für ihre Arbeiter und deren Familien nachzukommen.

Roechling Stahhltraeger

Die Unternehmenspolitik Carl Röchlings zeigt Erfolg: Die Röchling’schen Eisen- und Stahlwerke sind der größte Eisenträgerhersteller Deutschlands.

Thomasstahlwerk

Eröffnung des Thomas-Stahlwerks der Völklinger Hütte. Relativ spät führt Carl Röchling das Thomas-Verfahren auf der Völklinger Hütte ein. Deshalb kann jetzt auch die lothringische Minette in Völklingen verhüttet werden.

KO 004

Die erste Koksbatterie wird in Völklingen direkt neben den Hochöfen erstellt. Die Röchlings haben viel Erfahrung mit der Verkokung der Steinkohle. Im Sulzbachtal haben sie eine der größten Kokereien im saarländischen Industrierevier betrieben. Aus dem Jahr 1897 stammt auch das Kohlesilo aus Stahlblech, das die Kokerei überragt. Das Silo ist eines der ältesten erhaltenen Bauwerke der Völklinger Hütte.

Zusammen mit Ingenieur Wilhelm Rodenhauser erwirbt Herrmann Röchling das Patent für den Röchling-Rodenhauser Drehstromofen, der den Beginn der Elektrostahlproduktion in Völklingen markiert.

Huettenkrankenhaus 1899  AV Zenturm der SHG.

Carl Röchling initiiert den Bau des werkseigenen Hüttenkrankenhauses für die Opfer von Arbeitsunfällen. Es steht vorrangig aber auch den Hüttenarbeitern und ihren Familien offen. Bereits zwei Jahre später wird ein Erweiterungsbau errichtet: auch ein Indiz für die Expansion Völklingens.

Geblaesehalle historisch

Zwei Jahre zuvor ist die erste Gasgebläsemaschine in Betrieb gegangen, die mit dem Gas aus den Hochöfen angetrieben wird. Die Gebrüder Röchling erkennen sofort die Bedeutung der Gasmaschine für die weitere Entwicklung der Eisenindustrie. Gegenüber der Hochofengruppe wird das Gebläsehaus errichtet.

Baugenossensch04

Auf Initiative von Herrmann Röchling, erfolgt die Gründung der Arbeiter-Baugenossenschaft 04. Sie stellt den Beginn einer neuen Form der Wohnungsbaupolitik. Neben der Linderung der Wohnungsnot infolge einer rasanten Entwicklung der Einwohnerzahl Völklingens, verfolgt man das Ziel einer größeren Zahl von Hüttenarbeitern Wohneigentum zu ermöglichen und sie so an das Unternehmen zu binden.  

Milchkueche

Als Beitrag im Kampf gegen Säuglingssterblichkeit wird auf Initiative von Alwine Röchling, Ehefrau von Carl Röchling eine Milchküche eingerichtet. Die Abgabe der Milch aus einem hütteneigenen Landwirtschaftsbetrieb, erfolgte nach ärztlicher Verordnung Säuglinge, Kleinkinder und Kranke. Der Milchküche angegliedert war eine Mütterberatung. Die Institution der Milchküche existiert bis 1961.

Erzschraegaufzug

Die Hängebahnanlage zur Beschickung der Hochöfen entsteht. Sie vereint die beiden führenden Techniken der Zeit, selbstfahrende Hängebahnwaagen, entsprechend der Wuppertaler Schwebebahn.  Im Schrägaufzug half eine Kabel,  die Steigung zu überwinden,, ganz nach dem Prinzip der amerikanischen Cable-Cars. Die Hängebahnanlage versorgte alle sechs Hochöfen der Völklinger Hütte.

In dieses Jahr fällt auch der Einsatz der weltweit ersten Trockengasreinigung. Diese reinigte das im Hochofenprozess anfallende Gichtgas von Festbestandteilen. Anschließend konnte das Gas zum Antrieb der Gasgebläsemaschinen und zum Heizen der Cowper und der Koksbatterien genutzt werden. Die Technik war so erfolgreich, dass sie weltweite Verbreitung fand.

Moellerhalle vh

Beim Bau der Möllerhalle gingen die Architekten neue Wege: Das Industriegebäude war eines der ersten Bauwerke dieser Dimension, das in Eisenbeton ausgeführt wurde.

Frauen im Einsatz während des Erste Weltkriegs

Die Produktion kommt beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges zunächst zum Erliegen. Später wird auch in Völklingen Rüstungsmaterial hergestellt: Granaten für die Front und bis zu 90% des zähen Rohstahls für die neuen deutschen Stahlhelme, die ab 1916 ausgegeben werden. Die Hüttenarbeiter werden zum Armeedienst eingezogen, Frauen und widerrechtlich auch Kriegsgefangene werden zu Arbeiten im Werk herangezogen. Während des Krieges wird das Werk in Völklingen ausgebaut: Ein Siemens-Martin-Stahlwerk wird für die Produktion von Kriegsgütern errichtet.

Wasserhochbehaelter 2 HWA

Der Wasserhochbehälter ein Stahlbetonfachwerkbau wird errichtet und ist damals eines der ersten Beispiele für eine gerade entstehende neue Industriearchitektur.

Sinteranlage kamin

Auch die Sintertechnik bietet die Chance, Abfallprodukte des Verhüttungsprozesse – Feinerz, Gichtstaub – zu recyclen. Das feine Material wird in der Sinteranlage bei 1300° C zu stückigem Material zusammengebacken und dann in den Hochofen eingefüllt. In Völklingen entsteht eine der modernsten Sinteranlagen in Europa – damals auch eine der größten.

Wirhalten dieSaar

Hermann Röchling betreibt als Großindustrieller aktiv den Anschluss des Saargebiets an das nationalsozialistische Deutschland, unter anderem mit seiner Kampfschrift „Wir halten die Saar!“. In den Folgejahren gehört er als „Wehrwirtschaftsführer“ zu den maßgeblichen Akteuren der Vorkriegszeit- und Kriegswirtschaft.

Bouser Hoehe

Mit dem Bau Siedlung Bouser Höhe, realisiert die "Allgemeine Baugenossenschaft Völklingen 1904" ab 1937 ein schon in den 20er Jahren bewährtes städtebauliches Konzept: das der Kleinsiedlung.  Ausschlaggebend für die Gründung der neuen Siedlung ist das schon in frühen Projekten verfolgte Konzept, die Arbeiter der Völklinger Hütte über den Eigenheimbau enger an das Unternehmen zu binden.  Nach dem Tod Herrmann Röchlings wird die Bouser Höhe, in Herrmann Röchling Höhe umbenannt, obwohl er bereits als Kriegsverbrecher verurteilt war.  Nach jahrelangen Streitigkeiten um die Namensgebung verständigt man sich 2013 auf einen Kompromiss: Röchling-Höhe.

Russische und serbische Zwangsarbeiter in der Völklinger Hütte

Insgesamt arbeiteten während des Zweiten Weltkrieges etwa 70.000 ausländische Arbeitskräfte und Kriegsgefangene in den Bergwerken, Hütten und Fabriken des Saarreviers. In der Völklinger Hütte und ihren Nebenbetrieben wurden um 12.000 ausländische Menschen verschiedener Nationen für Arbeiten im Werk eingesetzt.  Der größte Teil von ihnen waren Zwangsarbeiter, darunter französische, italienische und russische Kriegsgefangene oder aus der damaligen Sowjetunion verschleppte russische und ukrainische Zivilpersonen. Die Arbeitsbedingungen waren diskriminierend und unmenschlich. Mehr als 250 ausländische Arbeitskräfte, in der Mehrheit Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, sterben.

Sequester

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Völklinger Hütte unter französische Sequesterverwaltung gestellt. Erst mit der Rückkehr des Saarlandes nach Deutschland Ende 1956 erhielten die alten Besitzer, die Industriellenfamilie Röchling, die Völklinger Hütte zurück.

Raststatter Prozess Herm R

In den Rasttätter Prozessen wird Herrmann Röchling neben anderen Familienmitgliedern und Direktoren zu zehn Jahren Haft, Vermögenseinzug und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt.

Bahnhof Völklingen Schichtwechsel

Mehr als 17.000 Menschen arbeiten in der Völklinger Hütte. Es ist die höchste Beschäftigtenzahl in der Geschichte der Völklinger Hütte.

Stahkrise

Die weltweite Stahlkrise erfasste 1975 auch die Völklinger Hütte. Während der luxemburgische Stahlkonzern Arbed bis 1971 im Saarland den Standort Burbach betrieb, fusionierte die Völklinger Hütte mit den „Vereinigten Hüttenwerken Burbach-Eich-Düdelingen“ zur gemeinsam mit Röchling betriebenen „Stahlwerke Röchling-Burbach GmbH“. Mit der Integration des Neunkirchener Eisenwerks wurde 1982 die Arbed Saarstahl GmbH geschaffen, bei der die Familie Röchling (1978) ausschied. Seit 1986 heißt das Unternehmen Saarstahl.

Saarstahl Blue Box

Nahe des Völklinger Eisenwerkes entsteht ein neues Stahlwerk. Im Blasstahlverfahren wird das Roheisen aus den Hochöfen zu Stahl weiterverarbeitet.

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte im Zustand nach der Stilllegung

Die Roheisenphase der Völklinger Hütte wird stillgesetzt. Teile der stillgelegten Hütte werden unter Denkmalschutz gestellt, das Eisenwerk wird Industriedenkmal

Urkunde

Die UNESCO erhebt die ehemalige Roheisenproduktion der Völklinger Hütte zum "Weltkulturerbe". Es ist das einzige erhaltene Eisenwerk der Welt aus der Blütezeit der Eisen- und Stahlproduktion und ein einzigartiges Zeugnis einer vergangenen Industrieepoche.

Panoramaansicht der Völklinger Hütte

Das Saarland gründet die neue Trägerorganisation des Weltkulturerbes, Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur. Seit 1999 haben mehr als 4,5 Millionen Menschen das Weltkulturerbe Völklinger Hütte besucht.

Vertiefende Themen...

Im Nachfolgenden haben wir für Sie weitergehende Informationen und zu einzelnen Personen und geschichtlichen Ereignissen zusammengestellt. 

Die Anfänge: Julius Buch

Julius Buch (ca.19XX)

Der Beginn einer neuen Ära: Als der Hütteningenieur Julius Buch Im Oktober 1872 in Köln beschloss, an der Saar ein Eisenhüttenwerk zu bauen, konnte er nicht ahnen, dass er damit den Grundstein für die länger als 100jährige Geschichte der Eisen- und Stahlerzeugung in Völklingen legte. Im April 1873 gründete Buch die Firma „Völklinger Eisenhütte bei Saarbrücken, Actiengesellschaft für Eisenindustrie“.

Ende 1873 produzierte das Werk bereits mit 12 Puddelöfen, Luppeneisen und Eisenträger. Zunächst liefen die Geschäfte gut. Doch nach nur fünf Jahren folgte der Einbruch: Die Einfuhrzölle wurden abgeschafft, was dazu führte, dass „französische, belgische und englische Eisenproducte billiger geliefert wurden, als die alten einheimischen Werke solche herzustellen im Stande waren“, wie Julius Buch feststellen musste.

Im Dezember 1878 folgte der Liquidationsbeschluss: Der Betrieb wurde eingestellt, alle Arbeiter und Angestellten wurden entlassen.

Carl Röchling

Carl, Röchling, Gemälde von Ludwig Würgele

„Lieber Theodor, ich habe gestern für 270.000 Mark die Völklinger Hütte gekauft …“

Mit dieser Depesche, die Carl Röchling am 27. August 1881 aus Völklingen an seinen Bruder Theodor ins Stammhaus der Familie nach Saarbrücken schickte, teilte er mit, dass er die marode Völklinger Eisenhütte gekauft hatte, die zuletzt von der Firma Gebr. Haldy ersteigert worden war. Zur Versorgung der Völklinger Hütte mit Erz kaufte Carl Röchling 1882/83 Erzfelder im lothringischen Algringen. Die Entwicklung zum Eisen-und Stahlindustriellen startete Carl Röchling nicht als Tüftler und Techniker, sondern als Kaufmann aus dem Handels-und Finanzkapital. Er war Industrieller von europäischem Zuschnitt. Er sprach Französisch, er lernte in Le Havre und Rotterdam, er betrieb Firmen mit französischen Geschäftspartnern und arbeitete eng mit französischen Industriellen zusammen. Carl Röchling machte die Völklinger Hütte nach dem tiefen Konkurs der Vorzeit als Röchling‘sche Eisen- und Stahlwerke GmbH zu einem der ertragsstärksten Industrieunternehmen Europas. Als sich der geheime Kommerzienrat Carl Röchling kurz nach der Jahrhundertwende aus dem operativen Geschäft zurückzieht, ist er einer der vermögendsten Männer seiner Zeit. 
1910 stirbt Carl Röchling in Saarbrücken. 

Der Erste Weltkrieg

Der Unterstand mit den 4 Kaminen

Auf den Schlachtfeldern von Frankreich und Belgien erreichte der Erste Weltkrieg traumatisierende Dimensionen. In das Schlachtfeld von Verdun schlugen in jedes Hektar Boden im Verlauf des Jahres 1916 durchschnittlich 50 Tonnen Stahl von Granaten ein. Das Zeitalter der Kriegsmaschinen entfaltete sich. Mit Eisen und Stahl, Kohle und Koks, lieferte die Industrie der Saar die wichtigsten Grundstoffe für die deutsche Rüstungsproduktion. Die Munitionsherstellung war der Hauptbeitrag der Röchling’schen Eisen- und Stahlwerke zur deutschen Waffenproduktion.

Die Röchling’schen Werke waren aber auch entscheidend an einer besonderen Neuentwicklung im Ersten Weltkrieg beteiligt, dem Stahlhelm: Die neuentwickelten Induktionsöfen lieferten den besten Stahl für die Herstellung der Helme. Das Werk vergrößerte die Kapazität der Öfen, so dass  80 bis 90 % des gesamten Materials für die Stahlhelme in Völklingen produziert wurde.

Hermann Röchling

Hermann Roechling Tiff

Hermann Röchling wird 1872 in Saarbrücken geboren. Er studiert in Heidelberg Nationalökonomie und Berg- und Hüttenkunde. 1895 überträgt ihm sein Vater Carl Röchling die Leitung eines Hochofens im Völklinger Werk. Auslandsaufenthalte in den USA und in Skandinavien ergänzen seine Ausbildung.

1898, nach dem Tod des älteren Bruders Richard Röchling erhält Herrmann Röchling zusammen mit seinem Bruder Louis Prokura. 1905 werden beide zu Geschäftsführern der Völklinger Hütte bestellt.  Herrmann Röchling prägt wesentlich die technische Entwicklung des Werkes.  1926 stirbt Louis Röchling, Herrmann Röchling ist alleiniger Geschäftsführer.  1936 stellt Hermann Röchling das Unternehmen in den Dienst der Aufrüstungs- und Kriegspolitik des Dritten Reiches. Aus Mangel an Arbeitskräfte steht die Hütte im September 1939 vorübergehend still. Ende 1939 läuft die Produktion wieder an. Im Oktober 1940 arbeiten wieder vier Hochöfen. Die Produktion wird auf Kriegsmaterial umgestellt: Geschützrohre, Granaten und Flugzeugteile.

Ab dem Frühsommer 1940 kommen in den Röchlingwerken Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene zum Einsatz. Ab 1942 ist Herrmann Röchling in seiner Eigenschaft als Wehrwirtschaftsführer maßgeblich an der Sicherstellung der Stahlproduktion im Dritten Reich beteiligt.  Dabei schreckte er nicht vor dem massenhaften Einsatz von Zwangsarbeitern zurück.  Er ist ein Verehrer Adolf Hitlers und bejubelt in seinem Buch "Haltet die Saar" dessen Machtübernahme, die er an der Saar tatkräftig fördert. 

1948/1949 Hermann Röchling wird im Raststatter Prozess als Kriegsverbrecher verurteilt. 1951 kommt er aus der Haft frei.

1953 wird Herrmann Röchling der Siemens-Ring, die höchsten deutschen Auszeichnung für Verdienste auf dem Gebiet der Wissenschaft und Technik, verliehen.

Am 24. August 1955 stirbt Herrmann Röchling in Mannheim. 

Der Zweite Weltkrieg

Franzoesische Kriegsgefangene in VK

Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, ausgelöst durch den deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 und die Kriegserklärung Großbritanniens und Frankreichs an Deutschland am 3. September 1939, müssen die Völklinger Bürger wegen der Nähe zur Front ihre Heimat räumen.

Bereits am 20. Juni 1939 ernennt  Hermann Göring Hermann Röchling zum Wehrwirtschaftsführer. Aus Mangel an Arbeitskräfte wird die Hütte im September 1939 vorübergehend geschlossen. Ende 1939 läuft die Produktion wieder an. Im Oktober 1940 arbeiten wieder vier Hochöfen.

Die Produktion wird auf Kriegsmaterial umgestellt: Geschützrohre, Granaten und Flugzeugteile. Seit dem Frühsommer 1940 sind in den Röchlingwerken auch Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene im Einsatz. Beim Näherrücken der Front im Herbst 1944 wird die Produktion der Völklinger Hütte zurückgefahren. Eine Notbelegschaft von 200-300 Arbeitern bleibt im Werk.

Carl Theodor Röchling, Herrmanns Sohn und designierter Nachfolger, wird im Dezember 1944 auf der Hütte ermordet. Die Völklinger Hütte bleibt in den letzten Kriegsmonaten von Zerstörungen nicht verschont, die Schäden sind allerdings nicht so groß, wie bei anderen Saarhütten.

Raststatter Prozess

Rastatter Prozess

Vom 16. Februar bis 30. Juni 1948 wurden die führenden Vertreter der Röchling‘schen Eisen-und Stahlwerke Völklingen vom Tribunal Général im Schloss von Rastatt angeklagt: Hermann Röchling als Vorstandsvorsitzender und die Mitglieder der Geschäftsleitung Ernst Röchling, Hans-Lothar von Gemmingen, Wilhelm Rodenhauser und Albert Meier. Gegen das am 30. Juni 1948 gesprochene Urteil legte die Verteidigung Revision ein.

Am 25. Januar 1949 erfolgte der endgültige Richterspruch: Zehn Jahre Haft, Vermögenseinzug und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte für Hermann Röchling. Drei Jahre Haft, Einzug der Hälfte seines Vermögens und Ehrverlust für Hans-Lothar von Gemmingen. Drei Jahre Haft für Wilhelm Rodenhauser. Freispruch für Albert Maier. Ernst Röchling, in erster Instanz freigesprochen, wurde zu fünf Jahren Haft, Einzug seines Vermögens und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt.

Nachkriegszeit und Wirtschaftswunder

Roechlingwrtschfatswunder

Im März 1945 wird die Völklinger Hütte von amerikanischen Truppen besetzt. Im Juli 1945 wird das Saarland zur französischen Besatzungszone erklärt. Die Völklinger Hütte kommt unter Sequesterverwaltung. Bereits 1952 erreicht die Völklinger Hütte die Produktionszahlen der Vorkriegszeit. 1956 wird die Sequesterverwaltung aufgehoben und die Völklinger Hütte an die Familie Röchling zurückgegeben. 1957 wird das Saarland politisch zurückgegliedert. 1959 erfolgt der wirtschaftliche Anschluss des Saarlandes an die Bundesrepublik. Die D-Mark löst den französischen Franc als Währung ab.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschert der Bauboom der Wirtschaftswunderzeit der Völklinger Hütte steigende Produktionszahlen. 1971 wird die Völklinger Hütte mit der Burbacher Hütte zur "Stahlwerke Röchling-Burbach GmbH" fusioniert. In Burbach setzt man auf die Produktion von Draht: 1973 entsteht dort ein innovatives Drahtwalzwerk- eines der größten und modernsten der Welt.

Stahlkrise und Stillsetzung

Schackmann tanz

Bis zur Mitte der 1970er Jahre entwickeln sich die Produktionszahlen der Stahlindustrie stetig nach oben. 1974 ist der Höhepunkt erreicht. Danach der Absturz: 1975 setzt die Stahlkrise ein. Bereits 1971 kommt die Fusion der Hütten in Völklingen und Saarbrücken-Burbach zur "Stahlwerke Röchling-Burbach GmbH".

In Völklingen wagte man die Flucht nach vorn. 1980 wird ein neues Stahlwerk in Betrieb genommen: Modernste Technologie gegen den drohenden Niedergang. Die Geschäftsführung der Stahlwerke Röchling-Burbach GmbH wird der Dillinger Hütte übertragen. Ein neues Unternehmen entsteht: "Saarstahl Völklingen GmbH". Die Stahlkrise verschärft sich weiter: 8.500 Arbeitsplätze werden abgebaut.

Am 4. Juli 1986 dann die folgenreichste Maßnahme: Die Hochöfen der Völklinger Hütte werden stillgelegt, die Produktion von Roheisen wird eingestellt, die Kokerei und alle Nebenbetriebe der Eisenerzeugung werden stillgesetzt.

UNESCO Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Hochofengruppe in Rot

Mit Stillsetzung der Völklinger Hütte 1986 veränderte sich die Wirklichkeit des Ortes und seiner Gebäude schlagartig. Hochofengruppe, Kokerei, Sinterhäuser, Möllerhalle, Handwerkergasse und Gebläsehalle wurden Denkmal.

Der Inschutzstellung der Völklinger Hütte als Denkmal durch das Saarländische Konservatoramt folgte schnell im Dezember 1994 von der UNESCO die Ernennung zum Weltkulturerbe.