Zelle Asphaltkultur
Ausstellungen
Werke
L'age d'Or
UAB Werke Zelle Asphaltkultur
Datierung
2026, in situ
Material
Sprühfabe, Print auf Holz, Video
Beschreibung
In den 1970er und 1980er Jahren wurde die New Yorker U-Bahn flächendeckend bemalt – innen wie außen –, was eine weltweite Bewegung auslöste: Graffiti Writing. Einige Jahrzehnte später kam das deutsche Kollektiv Zelle Asphaltkultur (ZA) nach Venedig. Hier entstand die Idee, das letzte „unberührte“ Metrosystem der Welt zu bemalen, doch schnell wurde klar, dass dies kein einfaches Unterfangen sein würde. Die Stadt Venedig hat ihr nahezu märchenhaftes Erscheinungsbild über Jahrhunderte hinweg bewahrt. Trotz zahlreicher, teils provokativer künstlerischer und intellektueller Impulse im 20. Jahrhundert widersetzt sich die Stadt aufgrund ihrer dichten, insularen Struktur weitgehend der Modernisierung und ruft bei seinen Besucher:innen eine Sehnsucht nach einer Vergangenheit hervor, die scheinbar stets der Gegenwart überlegen ist. „L’Age d’Or“ – so lautet die Aufschrift an einem Vaporetto, einem Wasserbus des öffentlichen Verkehrsnetzes. Die barock anmutenden goldenen Buchstaben auf schwarzem Grund gleiten über den Canal Grande, überfüllt mit Tourist:innen und beobachtet von weiteren. Dieses Bild evoziert eine idealisierte Vergangenheit, die jedoch zugleich durch das laute Dröhnen des Motors und den schwarzen Rauch aus dem Auspuff konterkariert wird. Die Installation der Urban Art Biennale 2026 zeigt fotografische Dokumentationen von rund zwanzig Vaporetti, an denen ZA gearbeitet hat. Aufgrund des Wellengangs war es nicht möglich, detaillierte Elemente direkt auf die Boote zu sprühen – ein Hindernis, das beim Bemalen von Zügen nicht besteht. Stattdessen wurden vorab gestaltete Plakate auf gesprühte oder gerollte Hintergründe geklebt – ein Verfahren, das die Praxis der Werbebeklebung der Vaporetti aufgreift. ZA bedient sich häufig der Mittel des Graffiti Writing – Sprayfarbe, illegale Intervention im öffentlichen Raum –, folgt jedoch keinem einheitlichen Stil. Die formale Ausprägung richtet sich vielmehr nach der jeweiligen Aussage der Aktion. Dabei arbeitet das Kollektiv oft mit Sprache und entwickelt eine mitunter bewusst propagandistische Bildsprache, die soziale und provokative Themen in den Vordergrund stellt.