RÉMY MARKOWITSCH. WE ALL [Except the Others]

27.8.23 – 27.9.27 RÉMY MARKOWITSCH. WE ALL [Except the Others]

Die Multimedia-Installation von Rémy Markowitsch

Kontamination von Natur und Kultur, Zwangsarbeit einst und jetzt, Hermann Röchling und sein Erbe: Der Schweizer Künstler Rémy Markowitsch beleuchtet und verdichtet Schlüsselthemen sowie signifikante Orte aus der Geschichte der Völklinger Hütte mit seiner Multimedia-Installation WE ALL (Except the Others) in der historischen Hängewagenwerkstatt:

Eine Conférencière und zahlreiche weitere Protagonist:innen führen uns von den Schlackenhalden Hermann und Dorothea mit dem Abraum der Hütte über den heutigen Parkplatz und die Benzolhäuser, einst Standort der stark umweltbelastenden Kohlenwertstoffbetriebe, zur Apotheose der Familie Röchling im raumgreifenden Deckengemälde der Völklinger Versöhnungskirche. Am Ort der Reparatur schließen sich die Kreise so buchstäblich wie metaphorisch.

Eine Frau in schwarz gekleidet freut sich.
Rémy Markowitsch. WE ALL (Except the Others), Die Conférencière

Ein Frau in schwarz gekleidet verzeiht das Gesicht

„Nach BEWEGUNG MACHT GESCHICHTE folgt nun der zweite Meilenstein der Auseinandersetzung mit der Geschichte unseres Ortes im Jubiläumsjahr 150 JAHRE VÖLKLINGER HÜTTE. Rémy Markowitsch richtet mit WE ALL (Except the Others) seinen genuin künstlerischen Blick auf die Geschichte und Themen unseres exemplarischen Schauplatzes und trägt mit kreativer Zuspitzung zu einem tieferen Verständnis der Höhen und Tiefen des ehemaligen Eisenwerkes bei“, so Dr. Ralf Beil, Kurator der Ausstellung und Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte.

Die Hängewagenwerkstatt lebt

Historische Foto- und Filmaufnahmen sowie neue, mit Schauspieler:innen gedrehte Videosequenzen werden direkt auf Boden, Decke und Seitenwände projiziert. Die Werkstatt ist damit stets schon Bestandteil der Projektionen und ihrer Geschichten. Wesentliche Schauplätze und bedeutende Protagonist:innen der Hütte wie der Großindustrielle Hermann Röchling und seine Frau Theodora, genannt Dorothea, sind im Fokus des Künstlers.

Eine Raummontage der Ausstellung

In einer großen audiovisuellen Collage werden Texte, filmische und fotografische Archivaufnahmen und Audio-Footage aus der Geschichte des Saarlandes, Völklingens und der Völklinger Hütte mit Dialogen der Schaupieler:innen Laura Trapp (Dorothea) und Benjamin Kelm (Hermann), Gina Markowitsch (Conférencière ) und Magali Helene Vogel (Benzolgeistin) verwoben. Erstmals konnte hierfür auf den Völklinger Spitzkegelhalden gedreht werden. Ferner gibt es Videoaufnahmen auf dem Parkplatz des Weltkulturerbes und vor den Benzolhäusern, eine Motorradfahrt durch Völklingen, begleitet von einer Song-Version der „Moorsoldaten“ von Taranja Wu, bis hin zur Versöhnungskirche samt Deckengemälde sowie Choraufnahmen mit Rainer Oster und den Moorsoldatinnen ebendort.

Die zahlreichen Filmprojektionen der Installation, der Bergdialog „Hermann & Dorothea“ mit KI-animierten Portraits, gesprochen von Barbara Scheck und Peter Tiefenbrunner, eine Toninstallation mit der Stimme von Marie Bonnet und einem Text von Elfriede Jelinek im Spindraum und Interviews mit Zeitzeug:innen verdichten sich im historischen Ort der Hängewagenwerkstatt, der erstmals für Besucher:innen geöffnet wird, zu einem eindrucksvollen, begehbaren Gesamtkunstwerk über die Völklinger Hütte und die Welt, die sie umgibt.

Bestandteile der Gesamtinstallation

Eine Raummontage der Ausstellung
Videostill aus der Installation WE ALL (Except the others) in der Hängebahnwagen-Werkstatt

Videoinstallation, ca. 80 Minuten, fünf Projektionen im vorderen Werkstattraum an drei Wänden sowie an Boden und Decke mit dem Dialog „Hermann & Dorothea” auf zwei Monitoren sowie der Toninstallation „Claudia“, einem „Spind-Monolog“ im Seitenraum mit historischer Zeitschriftencollage und Interviews mit Zeitzeugen:innen im ehemaligen Kontrollraum der Werkstatt.

INTERVIEWS

Hubert Kesternich (*1944)

ist gelernter Bergmann und als Gewerkschafter schon seit seinem 13. Lebensjahr aktiv. Er war rund 44 Jahre auf der Völklinger Hütte tätig. Seit 1990 forscht er zum Montanwesen und den Saarhütten. Von ihm erschienen sind unter anderem „Kohle, Stahl und Klassenkampf. 1918-1935 in Völklingen und Umgebung“ sowie "Aufstieg und Wandel. 140 Jahre Völklinger Hütte" (2 Bände).

Norbert Krämer (*1935)

war von 1970 bis 1986 Meister der Elektrischen Instandhaltung Hochofen-Begichtung. Zusammen mit seinen Kollegen von der Arbeitsgemeinschaft Technikgeschichte des Weltkulturerbe Völklinger Hütte verfasste er die Dokumentation „Die Anlagen der ehemaligen Roheisenerzeugung der Völklinger Hütte“ von den Anfängen im Jahr 1881 bis zur Stilllegung des Hochofenbetriebes am 4. Juli 1986. Schon sein Vater und Großvater arbeiteten bei Röchling auf der Hütte.

Dr. Inge Plettenberg (*1946)

studierte von 1969 bis 1975 an der Universität des Saarlandes, war von 1985 bis 1989 wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Regionalgeschichtlichen Museum des Stadtverbandes Saarbrücken und von 2004 bis 2011 Fernsehredakteurin beim Saarländischen Rundfunk. Seit 1987 veröffentlichte sie mehrere Publikationen insbesondere zur nationalsozialistischen Zwangsarbeit im Saarland. Seit 2013 ist sie freie wissenschaftliche Mitarbeiterin des Weltkulturerbes Völklinger Hütte. 2021 erschien: "Mordfall Röchling. Der Tod eines Stahlindustriellen an der Heimatfront, 1944".

Olaf Reeck (*1938)

ist Zeichner, Maler, Grafik-Designer und Fotograf. Nach seinem Grafik-Studium in Saarbrücken war Olaf Reeck als Chef-Designer in einer Werbeagentur mit Schwerpunkt Illustration für die Röchling-Werke tätig und hatte viele Jahre einen Lehrauftrag für Zeichnen in der Grundlehre. Seit 2004 ist Reeck freischaffend tätig.

Kaya Urhan (*1936)

arbeitete seit 1972 in der Völklinger Hütte als Hochöfner am Hochofen III. Mit seiner Videokamera hielt er am 29. Mai 1986 die Erinnerungen an seinen Arbeitsplatz fest. Noch bis 1996 arbeitete Kaya Urhan in der saarländischen Stahlindustrie weiter, bevor er in den wohlverdienten Ruhestand ging. Er und seine Familie leben noch heute in Völklingen.

Ein Werk von Rémy Markowitsch

In Zusammenarbeit mit 

Kurator Dr. Ralf Beil, Generaldirektor Weltkulturerbe Völklinger Hütte

CAST

Marie Bonnet (Stimme für Spind-Monolog Claudia)
Benjamin Kelm (Hermann)
Gina Markowitsch (Conférencière)
Barbara Scheck (Stimme für Bergin Dorothea)
Peter Tiefenbrunner (Stimme für Berg Hermann)
Laura Trapp (Dorothea)
Magali Helene Vogel (Benzolgeistin)

MUSIK

Taranja Wu (Song-Version der „Moorsoldaten“ und Soundscape)
www.taranjawu.com

Chorlied Die Moorsoldatinnen
(Versöhnungskirche Völklingen)
Rainer Oster (Orgel und Chorleitung)
Chor
Yuliia Andriichuk, Sophia Buhl, Monika Deligiannaki, María Sól Ingolfsdottír, Paula Marie Jorks, Eunbi Lee, Daphné Macary, Anna Major, Seung A Ryu

Audio Recording & Editing: Thomas Becher
Liedtext: Joey Heymann
Bildbeschreibung: Franziska Wilmsen

TEAM

Co-Regie, Text, Schauspielcoaching:
Joey Heymann (Zimmermann), Berlin & Rheinfelden

Mitarbeit Text: Elina Finkel, Berlin
Textredaktion: Dr. Franziska Wilmsen, Düsseldorf-Lippstadt

Künstlerische Beratung, Produktion, Schnitt & Postproduktion:
Sebastian Fischer, Leipzig

Kamera, Animation & Schnitt (Interviews):
Stephan Wicki, Zürich, wickifilm.ch

Audio Recording & Editing: Nemo Hill, Berlin

KI-Animation: Suhail Mirza, India

Drohne und Actioncam, Berge, Parkplatz und Motorrad:
Markus Trennhäuser, InPuls Productions, Saarlouis

Motorrad: Sven Peters, Saarbrücken

Kostüm: Maya Roos, Berlin & Luzern

Catering: Marie Götze, Saarbrücken

TEAM WELTKULTURERBE VÖLKLINGER HÜTTE

Projektleitung: Frank Krämer
Footage Management: Daniel Bauer
Content Support: Hendrik Kersten